Matthias Becker, Teamleiter Produktentwicklung Aftermarket
Matthias Becker, Teamleiter Produktentwicklung Aftermarket

Jeder Katalogartikel bei BILSTEIN ist das Ergebnis eines intensiven Entwicklungsprozesses auf OE-Niveau

Testing & Qualität
25. Februar 2026 5 min lesen

Produkte in Aftermarket-Katalogen sind häufig nicht viel mehr als eine Artikelnummer. Eine Zuordnung. Ein Ersatzteil. Bei BILSTEIN steht hinter jedem dieser Produkte ein vollständiger Entwicklungsprozess. Matthias Becker, Teamleiter Produktentwicklung Katalog bei BILSTEIN, hat uns tief in seine Arbeit blicken lassen – und erklärt, warum hinter manchen Anwendungen deutlich mehr steckt, als selbst viele Profis vermuten würden.

Matthias Becker trägt die Verantwortung dafür, dass jedes Performance Produkt, das im Aftermarket-Katalog erscheint, zuvor entwickelt, getestet und validiert wurde. Seit vielen Jahren in der Fahrwerksentwicklung bei BILSTEIN tätig, kennt Matthias Becker den Weg eines Produkts vom ersten Konzept bis zur Serienfreigabe vermutlich wie kein Zweiter.

600 laufende Projekte – parallel und strukturiert

Die Dimensionen, mit denen Matthias Becker und sein Team jeden Tag zu tun haben, werden deutlich, wenn man einen Blick in den Entwicklungsalltag wirft: Rund 600 Projekte betreut das Team parallel. Zwölf Mitarbeitende arbeiten in Ennepetal an neuen Anwendungen, jeder Entwickler verantwortet gleichzeitig zehn bis fünfzehn Fahrzeuge.

Das Ziel ist ambitioniert: Neue Produkte möglichst innerhalb von sechs Monaten zur Marktreife zu bringen. In der Praxis dauert es häufig länger. Denn Qualität braucht Zeit.

Ein Aftermarket-Produkt entsteht bei BILSTEIN nicht durch Konfiguration vorhandener Komponenten. Es wird entwickelt.

Prototypenbau: Handarbeit statt Lagerware

Am Anfang steht das Fahrzeug. Es wird analysiert und vermessen. Anschließend beginnt die eigentliche Entwicklungsarbeit.

„Prototypenbau bedeutet nicht, vorhandene Komponenten aus dem Lager zusammenzuschrauben. Jeder Prototyp ist ein neues Teil.“

sagt Becker

Rohr, Kolbenstange, Halter und Anbauteile – Bauteile werden individuell gefertigt, teilweise in Handarbeit. Erst wenn der Prototyp aufgebaut ist, beginnt die eigentliche Validierung.

Fahrversuch als Qualitätsmaßstab

Ein ganz entscheidender Bestandteil dieses Prozesses ist der Fahrversuch. „Der Fahrversuch hat wirklich absolut zentrale Bedeutung für die Produktentwicklung im BILSTEIN Aftermarket-Bereich“, so Becker. Hier wird die Abstimmung nicht theoretisch diskutiert, sondern tatsächlich „herausgefahren“ – von erfahrenen Testfahrern und Technikern. Prototypen werden in die Fahrzeuge eingebaut, wieder ausgebaut, zerlegt, angepasst und erneut getestet. Kennlinien werden verändert, Dämpfungscharakteristiken feinjustiert, Varianten direkt miteinander verglichen.

Dabei geht es nicht nur um das Fahrgefühl. Durch das wiederholte Ein- und Ausbauen werden auch Passform, Anbindung und Montageeigenschaften optimiert. „Wir bauen die Teile mehrfach ein und wieder aus“, beschreibt Becker den Prozess. „Dabei prüfen wir nicht nur die Abstimmung, sondern auch, wie sauber alles passt und montierbar ist.“ Erst wenn beides überzeugt – Fahrverhalten und technische Integration – gilt eine Anwendung als freigegeben.

Fahrverhalten und technische Integration müssen perfekt passen

Die Abstimmung selbst ist dabei weit mehr als eine reine Rechenaufgabe. „Das Abstimmen ist wirklich Erfahrung“, sagt Becker. „Das ist alles Gefühl.“ Gleichzeitig bleibt es nicht beim subjektiven Eindruck. Objektive Messverfahren, etwa nach VDA-Standard, sichern die Ergebnisse zusätzlich ab. Subjektive Wahrnehmung und objektive Daten ergänzen sich hier systematisch.

Bis ein Mitarbeiter im Fahrversuch oder Entwickler ein Fahrwerk wirklich sicher abstimmen kann, vergehen zwei bis drei Jahre. Dieses Erfahrungswissen ist ein wesentlicher Bestandteil der Produktqualität – und lässt sich weder beschleunigen noch ersetzen.

„Kenne keinen vergleichbaren Wettbewerber, der diesen Aufwand betreibt.“

Der Aufwand ist hoch – organisatorisch und finanziell. „Ich kenne keinen vergleichbaren Wettbewerber, der diesen Aufwand im Fahrversuch betreibt.“ Für Becker ist deshalb klar: Entwicklung darf nicht nur am Schreibtisch stattfinden. „Ich möchte keine reinen Schreibtischtäter. Unsere Entwickler müssen unter dem Fahrzeug stehen und verstehen, was sie tun.“

OE-Erfahrung als Fundament

Ein entscheidender Vorteil: Der Zugriff auf das Know-how aus der Erstausrüstung. Viele Komponenten, die im Aftermarket eingesetzt werden, wurden zuvor im OE-Bereich nach den strengen Spezifikationen der Automobilhersteller geprüft. Arbeitskolben, Verschlusspakete, Beschichtungstechnologien – sie haben bereits anspruchsvolle Lebensdauer- und Belastungstests durchlaufen.

„Wir verwenden Bauteile, die im OE nach Kundenspezifikation ausgetestet wurden. Wir arbeiten eng mit unseren Kollegen und Bauteilverantwortlichen aus der Erstausrüstung zusammen.“

erklärt Becker

Diese Erfahrung fließt direkt in die Aftermarket-Entwicklung ein. Hinzu kommen klare OE-Guidelines und -Werksnormen, die auch im Aftermarket angewendet werden. Aftermarket bedeutet bei BILSTEIN nicht vereinfachte Standards – sondern übertragene Erfahrung.

Eigene Standards statt fremder Lastenhefte

Während im OE-Geschäft Automobilhersteller Lastenhefte und Prüfanforderungen vorgeben, existieren im Aftermarket diese Vorgaben nicht in gleicher Form. „Wir müssen uns selbst Standards kreieren“, sagt Becker.

Dauerläufe, Validierungskonzepte und Prüfstrategien werden intern definiert und umgesetzt. Ziel ist es, Produkte systematisch abzusichern, nicht nur funktional, sondern auch hinsichtlich Haltbarkeit und Korrosionsbeständigkeit.

Ein BILSTEIN-Mitarbeiter führt eine Messung im Rahmen der Qualitätssicherung durch.
Auf dem Laptop-Display ist eine technische Zeichnung eines BILSTEIN-Stoßdämpfers zu sehen.
BILSTEIN-Stoßdämpfer während eines Produktionsschritts nebeneinander aufgereiht.
Zwei Mitarbeitende von BILSTEIN prüfen Produkte im Werk.

Beschichtung, Dauerlauf, Requalifizierung

Ein Beispiel ist die Beschichtungsprüfung. Stoßdämpfer sind hochbeanspruchte Bauteile. Korrosion, Temperaturschwankungen und mechanische Belastungen stellen hohe Anforderungen.

Deshalb führt BILSTEIN Salzsprühnebeltests, Thermoschockprüfungen und Schichtstärkenkontrollen durch. Lieferanten werden regelmäßig requalifiziert. Prozesse überprüft. „Wir prüfen nicht nur einmal und dann ist das Thema erledigt“, so Becker. „Qualität ist kein einmaliger Freigabeschritt. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess.“

Kein Kataloggeschäft

Während viele Wettbewerber Komponenten lediglich zukaufen und daraus ein Sortiment zusammenstellen, ist ein Katalogeintrag bei BILSTEIN keine Sortimentsentscheidung. Er ist das Ergebnis eines intensiven Entwicklungsprozesses auf OE-Niveau.

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